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Die Kulturbrauerei in Berlin ist eine ehemalige Brauerei, die in ein Kulturzentrum mit Ausstellungsräumen, Tanzlokalen und Kino, aber auch Geschäften und Restaurants umgewandelt wurde. Sie befindet sich in dem sehr schönen Stadtteil Prenzlauer Berg und gehört zu den Klassikern der deutschen Hauptstadt.
Ein Besuch der Kulturbrauerei in Berlin ist ein Muss.
Das 19. Jahrhundert ist das Jahrhundert der Industrialisierung der deutschen Staaten. Die Schaffung eines industriellen Gefüges ging mit der Entstehung neuer Bevölkerungsgruppen einher, die hauptsächlich aus der Bauernschaft stammten. Dieser Prozess verlief schnell, ja sogar anarchisch, und veränderte die räumliche und soziale Organisation der Städte. Die Städte wuchsen und dehnten sich unverhältnismäßig stark aus und nahmen irrsinnige Ausmaße an. Berlin ist ein unglaublicher Anziehungspunkt und schon bald zählt die deutsche Hauptstadt mehrere Millionen Einwohner. Ihre Arbeiterbevölkerung konzentriert sich hauptsächlich auf die östlichen Bezirke der Stadt.
In den Arbeitervororten sind die Lebensbedingungen sehr hart: unhygienische Wohnungen, Promiskuität aufgrund von Überbelegung, schlechte sanitäre Verhältnisse und kaum Freizeitangebote. Die Orte der Sozialisation beschränken sich auf die Fabrik und das Café. Wenn die städtische Umgebung der Arbeiter nicht mehr auf die Kirche, sondern auf die Fabrik ausgerichtet ist, warum werden dann keine schönen Fabriken gebaut? Industriegebäude würden zum einen den wirtschaftlichen Erfolg und zum anderen die Vorherrschaft des Kapitals über die alten Vorstellungen markieren.
In Prenzlauer Berg streben die Chefs der größten Brauerei Deutschlands den Bau eines einzigartigen Industriekomplexes an. Geniale Architekten verwandelten die Fabrik im Herzen der Stadt in einen riesigen Komplex mit vielen Innenhöfen. Die Brauerei wurde zu einer Festung des Industriezeitalters. Während des Zweiten Weltkriegs blieb sie verschont, wurde in der DDR kollektiviert und in den 1960er Jahren endgültig geschlossen. Nach der deutschen Wiedervereinigung gelang es großen Sanierungsprojekten, das industrielle Erbe wiederherzustellen, und im Jahr 2000 wurde die Kulturbrauerei eröffnet, zur Freude der Berliner und internationaler Besucher.
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Ein Ökosystem in der Stadt
Die Kulturbrauerei ist ein riesiger Raum. Es gibt zwei Haupteingänge, über die man sie betreten kann. Der erste befindet sich auf der Höhe des Turms und führt auf ein riesiges Parkett: Hier finden der Kunsthandwerks- und Lebensmittelmarkt sowie am Wochenende die gastronomischen Zigeunerwagen statt. Einige Agenturen belegen die Gebäude, aber auch ein Kino und ein Supermarkt mit großem Sortiment. Der Ort ist angenehm, aber die derzeitige Nutzung ist nicht außergewöhnlich und erfolgt strikt im Alltagsleben. Der zweite Eingang in der Knaackstraße ist charmanter. Er ist auch praktischer, da er näher an der Hochbahnstation liegt. Man befindet sich direkt im kulturellen Herzen des Komplexes.
Der Bereich ist öffentlich und vollständig Fußgängerzone. Die Besucher durchqueren also zwei aufeinanderfolgende Höfe, die auf den ersten Blick ziemlich leer sind und keine Bäume haben. Die vorherrschende Farbe ist das Rot der Ziegel und das Grau der Pflastersteine. Die Bühne ist auch vertikal mit den alten Schornsteinen, deren aktuelle Funktion nur noch darin bestehen wird, schön auszusehen. Zweifellos handelt es sich hierbei um einen industriellen Raum. Da das Gelände 1974 unter Denkmalschutz gestellt wurde, sind keine Fantasien erlaubt, um die Authentizität des Ortes zu respektieren. Diese Denkmalschutznormen beziehen sich jedoch nur auf die äußeren Aspekte und die Fassaden. Das Innere der Gebäude ist modern, was daran erinnert, dass der Komplex kein Museum oder Stillleben ist, sondern eine alte Struktur, die erhalten und an das moderne Leben angepasst wurde.
Die Kulturbrauerei ist ein Ort der vielfältigen Kulturen: klassisch und volkstümlich, festlich und bildend, künstlerisch und gastronomisch. Mehrere Ausstellungen sind der Kunst und der Geschichte gewidmet, darunter das unumgängliche Museum des Alltagslebens in der DDR. Andere Einrichtungen bieten künstlerische Kurse und Workshops zu Tanz und Theater an. Tagsüber bieten die gastronomischen Einrichtungen angemessene Tische und natürlich einen Biergarten in diesem ehemaligen Tempel des deutschen Bieres. Am Abend und in der Nacht werden die Orte von Konzerthallen, Clubs und Diskotheken belebt, die sowohl selektiv als auch generationsübergreifend sind. Inzwischen werden die Höfe zu Durchgangs- und Treffpunkten für Büroangestellte, Studenten der verschiedenen Schulen und andere. Regelmäßig finden Konzerte und Theateraufführungen statt, und nicht zu vergessen der traditionelle Weihnachtsmarkt.
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Ein Modell für nachhaltige Entwicklung
Die Kulturbrauerei ist in vielerlei Hinsicht ein großer Erfolg. Durch die Renovierungsarbeiten in den 1990er Jahren konnte ein bemerkenswertes architektonisches Ensemble vor dem Verfall gerettet werden. Dies ist die volle Anerkennung des industriellen Erbes. Tatsächlich war das Projekt sehr teuer und auf kurze Sicht wären moderne Bauten wahrscheinlich rentabler gewesen. Durch die Bewahrung dieses Erbes ging Berlin eine Wette auf die Zukunft ein. Diese erwies sich als klug und gewinnbringend, da der Komplex auf kulturellem Wege vollständig in das tägliche Leben integriert wurde.
Im heutigen Berlin besitzt die Kulturbrauerei aufgrund dieser kulturellen Vielfalt eine besondere Aura. Man geht dort einkaufen, ins Kino oder Theater, tanzt in der Diskothek, leiht sich ein Fahrrad aus, besucht eine Ausstellung oder sitzt auf der Terrasse eines Cafés. Die Innenhöfe bieten somit einen Raum für eine soziale Mischung, die umso überraschender ist, als die Gestaltung der geschlossenen Räume im Gegensatz zu öffentlichen Plätzen eher dazu einladen würde, unter sich zu bleiben. Die Kulturbrauerei schafft es mit Bravour, die Stadt nach den Regeln der nachhaltigen Entwicklung zu erneuern, und sollte als Beispiel für künftige Stadterneuerungsinitiativen dienen.
Einige Kritikpunkte können angesprochen werden. Zunächst einmal ist die Sorge um die Authentizität zwar verständlich, aber man darf nicht in den umgekehrten Exzess verfallen, nämlich die Sakralisierung des Kulturerbes, ob es nun industriell ist oder nicht, im Übrigen. Anpassungen sind immer möglich und manchmal sogar wünschenswert. Dann kann man das Fehlen von Fassadenbegrünungen und das noch schädlichere Fehlen eines Zugangs für Rollstuhlfahrer aufgrund des Kopfsteinpflasters bedauern. Zweitens bedroht der Einfluss der reichen Bevölkerung von Prenzlauer-Berg die kulturelle Mischung, indem er die Volkskultur verdrängt und einen gewissen wirtschaftlichen und sozialen Elitarismus beobachtet. Um zukünftige Ressentiments zu vermeiden, ist es von größter Bedeutung, dass die Kulturbrauerei ein Ort der Vielfalt bleibt.
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