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  • AutorenbildDr Julien Drouart

Versunkene Bibliothek: Erinnerung an die NS-Bücherverbrennung

Aktualisiert: 24. Juni 2023


Die versunkene Bibliothek erinnert an die verschwundene Vielfalt.

Das Denkmal der Versunkenen Bibliothek, welches an die Bücherverbrennung unter Hitler auf diesem Platz erinnert, ist ein kleiner, kunstvoll gestalteter Komplex, der unauffällig im öffentlichen Raum platziert ist.


Es lohnt sich, das Denkmal der Versunkenen Bibliothek zu besuchen.


Im Rahmen der Gleichschaltung der deutschen Gesellschaft setzte das Hitler-Regime von Anfang an auf Zensur- und Verbotspolitik. Mit der physischen Regeneration ging auch eine moralische einher – die Förderung der germanischen Identität und im Gegenzug die Vernichtung von Schriften, die als subversiv, dekadent oder zumindest gegen die deutsche Ehre gerichtet angesehen wurden. Betroffen waren nicht nur marxistische und homosexuelle Literatur, Literatur jüdischer Autoren, sondern auch Werke zur Psychoanalyse und zu den als entartet angesehenen Künsten wie dem Kubismus und Fauvismus.


Am 10. Mai 1933 fand auf dem damaligen Opernplatz das größte Autodafé in der Geschichte Hitlers Deutschland statt, bei dem mehr als 20.000 literarische und wissenschaftliche Werke verbrannt wurden. Am späten Nachmittag leerten Studenten der Humboldt-Universität, begleitet von Mitgliedern der SA und SS, die angrenzende Universitätsbibliothek und läuteten damit das Ende der Vielfalt in Berlin ein.


Das Konzept und die Ausführung sind bemerkenswert


Der Platz, obwohl monumental, wirkt charmant und bietet einen Blick auf die verschiedenen Nachbargebäude, insbesondere die katholische St.-Hedwigs-Kathedrale. Inmitten des Platzes befindet sich eine unscheinbare Plexiglasplatte. Unter den Füßen der Besucher nimmt dann ein unzugänglicher Raum Gestalt an. An den Wänden sind Regale angebracht, wie man sie in jeder Bibliothek findet, nur dass sie ihrer Bücher beraubt wurden. Mehr wird man dort nicht erfahren.


An der Oberfläche informieren Informationstafeln auf dem Boden nüchtern über die Veranstaltung und zitieren den deutschen Dramatiker Heinrich Heine mit einem fast mahnenden Satz, leider nur auf Deutsch: "Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen." Das ist alles, und das ist genug.


Ein Denkmal von außergewöhnlicher Diskretion


Der Platz ist nicht mehr der des Autodafés von 1933, er ist jetzt von Hotels, Gotteshäusern, Universitäten und klassischer Kultur umgeben. Das Leben geht weiter, niemand muss ständig daran erinnert werden und niemand wird hier dazu gezwungen. Es ist ein Denkmal von großer Intelligenz.


Jedes Jahr, wenn die Gedenktage des Ereignisses näher rücken, wird auf dem Platz eine Freiluftbibliothek eingerichtet, die den Neugierigen einige der damals verbrannten Werke zur Verfügung stellt.


Gefällt mir

  • Ein relevantes Konzept, das zur Interpretation auffordert

  • Eine wahrnehmbare und intelligente Diskretion

  • Ein Lichtstrom aus dem Boden am frühen Abend

Gefällt mir nicht

  • Informationen, die sich auf die genaue Beschreibung beschränken und nur in deutscher Sprache verfügbar sind

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