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  • AutorenbildDr Julien Drouart

Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen: Historische Aktualisierung

Aktualisiert: 23. Juni 2023


Das Denkmal für verfolgte Homosexuelle zeugt von großer Sensibilität.

Das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen erinnert an die von Hitlers Regime geächteten Homosexuellen. Diese sensible Gedenkstätte ist eine der schönsten Überraschungen im Bereich des Gedenkens.


Ein Besuch ist optional. Es ist auch ein persönlicher Lieblingsort.


Im Jahr 2008 wurde in Berlin ein Denkmal für diejenigen eröffnet, die vom nationalsozialistischen Regime wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt worden waren. Die Errichtung des bemerkenswerten Denkmals für die ermordeten Juden Europas, das die Opfer der Shoah ehrt, führte dazu, dass andere damals verfemte Gemeinschaften zu Recht einen eigenen Erinnerungsort einforderten.


Obwohl es unmöglich ist, die Opfer der damaligen homophoben und antisemitischen Politik quantitativ zu vergleichen, sollte betont werden, dass menschlicher Schmerz nicht quantifizierbar ist und dass es keinen Bedarf für einen Wettbewerb zwischen Erinnerungen gibt. Im Gegenteil, die beiden Denkmäler und diejenigen, die ihnen folgen werden, sind eher komplementär als antagonistisch. Jeder kämpft gegen Geschichtsverleugnung und hat eine ausgeprägte Gegenwartsorientierung.


Eine fast zufällige Entdeckung


Versteckt und unauffällig steht eine schräge Stele am Rande des Tiergartens. Ohne Titel oder informatives Schild kann man durch ein Fenster im Inneren eine kurze Videomontage sehen, die zwei Personen gleichen Geschlechts, männlich oder weiblich, bei einer Umarmung zeigt. Hinter dem sich umarmenden Paar zeigt ein Bilderpanorama die diskriminierenden Maßnahmen und den Kampf um Gleichberechtigung durch die Jahrhunderte, also nicht nur während der Zeit des Nationalsozialismus. Was als bloßes Detail erscheinen mag, zeigt, dass das Thema Homophobie hier aktualisiert wird und erinnert an die historischen Resonanzen. Die künstlerische Form des Memorials passt sich schlichtweg den aktuellen Themen an.


Auch den Besucher dazu zu bringen, die Intimität und den Liebesakt zweier Menschen zu betrachten, die sich vor dem möglicherweise anklagenden oder vorwurfsvollen Blick verborgen haben, ist verstörend und überraschend. Das Fehlen jeglicher sichtbarer Informationen ist daher eine pädagogische Entscheidung und erinnert uns daran, dass Menschen, die sich lieben, gestern wie heute oft gezwungen sind, ihre Liebe zu verbergen.


Es gibt dennoch eine Gedenktafel, aber obwohl es verständlich ist, dass sie aus Rücksicht auf die Umgebung vom Denkmal entfernt ist, bedauern wir ihren aseptischen Stil, der das Ganze unlesbar und damit unverständlich macht.


Ein ganz außergewöhnliches Denkmal


Das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen pflegt eine bemerkenswerte Sensibilität und versetzt den Besucher in eine unbequeme Situation. Die hier beobachtete Diskretion ist eine Wahl und die politische Botschaft ist offensichtlich.


Allerdings muss man sich vor vorgefassten Meinungen hüten, die leider durch das Fehlen von Erklärungen noch verstärkt und verfestigt werden. Die Interpretation der historischen Fakten kann sich als wackelig erweisen, wenn die Form gegenüber dem Inhalt überwiegt, was im Übrigen das Merkmal eines Denkmals ist. Mit anderen Worten: Es ist notwendig, die eigenen Vorstellungen zu überdenken und Geduld zu haben. Es besteht kein Zweifel, dass das Denkmal ein absolut bemerkenswertes Ensemble ist. Der Weg dorthin ist keine Verpflichtung, sondern eine persönliche Reise.


Gefällt mir

  • Erfolgreiche Adaption historischer Themen auf die Gegenwart

  • Eine würdevolle und respektvolle Diskretion

  • Der fantastische Lichteffekt kurz vor der Dunkelheit

Gefällt mir nicht

  • Ein lobenswertes Konzept, aber für den Neuling schwer zugänglich

  • Häufige technische Probleme, die den Besucher im Unklaren lassen

  • Kondenswasser im Inneren der Stele erschwert das Betrachten des Videos

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