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  • AutorenbildDr Julien Drouart

Herta Heuwer: die Entdeckung der Currywurst

Aktualisiert: 23. Juni 2023

Herta Heuwer, ein Symbol der deutschen Hauptstadt, soll die berühmte Currywurst erfunden haben, die heute Teil des nationalen gastronomischen Pantheons ist.


Currywurst in Berlin

Die Currywurst ist eine deutsche Spezialität.

Viele Deutsche betrachten die deutsche Hauptstadt als eine "gastronomische Wüste", weil ihre Küche so spärlich und einfach ist; ein Ruf, den die Berliner aus Stolz oder Desinteresse gerne kultivieren. Die Entwicklung einer aufstrebenden neuen Küche und veganer Alternativen verändert allmählich das lokale kulinarische Bild.


Auch der westliche Lebensstil drängt zu mehr Flexibilität und fördert Fast Food und Mahlzeiten zum Mitnehmen. Eine der Institutionen dieses Phänomens in Berlin ist nach wie vor die berühmte Currywurst. Es handelt sich um eine Wurst, die gekocht und dann gegrillt wird, in Stücke geschnitten und mit einer mehr oder weniger scharfen Tomatensauce übergossen, das Ganze mit Curry bestreut. Das Gericht kann mit Brötchen oder Pommes serviert werden.


In Berlin bieten mehr als 150 Imbissbuden in der gesamten Stadt Currywurst an. Diese Unternehmen sind Teil des Stadtbildes. Einige davon sind nur übergroße Kioske, an denen man im Stehen essen kann, während andere über eine richtige Restaurantausstattung verfügen. Obwohl sie wohl zurecht als "Fast Food" bezeichnet wird, ist die Currywurst dennoch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und ein wichtiges Kulturobjekt.


Deutschland im Jahre Null


Die Idee für die Currywurst wurde in der Nachkriegszeit geboren und folgt den großen Daten der deutschen Geschichte während des Kalten Krieges. 1948 begannen die Sowjets die Blockade West-Berlins und sperrten alle Landwege, die die alliierte Enklave mit dem restlichen Westdeutschland verbanden.


Die Versorgung der Stadt hing wesentlich vom Erfolg der Operation Vittles ab, einer riesigen Luftbrücke, die ein Jahr lang eine fantastische Logistik mobilisierte. Indem sie sich weigerte, dem sowjetischen Druck nachzugeben, entschied sich West-Berlin für eine abnormale Normalität und bekräftigte seine Zugehörigkeit zum westlichen Block. Das tägliche Leben beruhte jedoch auf vielfältigen Einschränkungen und begünstigte Innovationen, um den Mangel an Dingen zu kompensieren.


Die Entdeckung der Currywurst

Herta Heuwer ist in Berlin als Erfinderin der speziellen Currysauce bekannt.

Herta Heuwer ist eine deutsche Frau ihrer Zeit. Ausgebildet als Köchin und Verkäuferin, begann sie 1936 im KaDeWe, dem größten Kaufhaus in Charlottenburg, zu arbeiten. Nach der Niederlage wurde sie für das Aufräumen der Trümmerberge mobilisiert, die die Kriegszerstörungen hinterlassen hatten, und meldete sich freiwillig, um in der Suppenküche zu helfen.


Während der sowjetischen Blockade lebte sie im britischen Sektor und entdeckte einige orientalische Gewürze aus dem Commonwealth. Durch harte Arbeit und Versuche stellte sie 1949 eine neue Sauce für eine Kochwurst her. Mit 36 Jahren kaufte sie für 35 DM ein altes Auto und eröffnete ihren Schnellimbiss in Charlottenburg. Schon bald stellte Heuwer Mitarbeiter ein, die ihr zur Seite standen, und 1959 meldete sie schließlich ein Patent für ihr Rezept an.


Die Currywurst entwickelte sich zu einem gesellschaftlichen Phänomen. Viele Menschen versuchten, das Geheimnis der berühmten scharfen Sauce zu ergründen oder sie zumindest nachzuahmen. Sowohl in West- als auch in Ost-Berlin war die Currywurst eine Erfolgsgeschichte, und jeder hatte seine eigene kleine Innovation.


Eine einfache und normale Frau


Herta Heuwer wurde zu einer Ikone der populären Berliner Szene. Eine mütterliche und etwas autoritäre Figur, die die Berliner gerne im Fernsehen oder in der Lokalpresse sahen. Eine Figur der Aufrichtigkeit und auch der Bescheidenheit.


Der Erfolg der berühmten scharfen Sauce hatte das Interesse großer Lebensmittelkonzerne geweckt, die sie in großem Stil vermarkten wollten. Heuwer weigerte sich, ihr Rezept an jemanden zu verkaufen und kritisierte diejenigen, die eine Nachahmung auf Basis von Ketchup improvisierten. Daher nutzte sie ihr Glück nicht aus und blieb lieber bei der Arbeit und im Gespräch mit ihren Kunden. Dieses Geheimnis wird sie 1999 mit ins Grab nehmen.


Ode an die Currywurst

Bei Witty sind die Produkte organisch.

Die Currywurst ist ein faszinierendes historisches Objekt, denn sie ist ein verbindendes Symbol. 1949 war Berlin von Zerstörung entstellt, militärisch von fremden Mächten besetzt, als ehemalige Hauptstadt des Hitler-Reiches verhasst. Die Currywurst steht für den wiederentdeckten Stolz und ein starkes Identitätsrefugium, zu dem sich all jene zusammenfinden, die es im Nachkriegsdeutschland nicht mehr wagten, von Identität zu sprechen.


Angesichts von Migration, wirtschaftlicher und sozialer Krisen ist es bemerkenswert, dass auch heute noch Currywurst-Imbisse ein Zufluchtsort für Alt-Berliner oder Junge sind, die in dieser Mentalität aufgewachsen sind. Doch die Konkurrenz durch asiatische Gerichte und vor allem durch den Döner Kebap bedroht in einigen einwanderungsorientierten Stadtvierteln seine Existenz. Schließlich wird die Currywurst aus Schweinefleisch hergestellt.


Mehr als nur ein Gericht, wird es zu einem Markenzeichen der Stadt. 2019 prägt Berlin zum 70-jährigen Jubiläum der Entdeckung der Sauce eine Ehrenmedaille mit dem Bild von Herta Heuwer. Die Currywurst ist ein Kulturgut, das es in vielen verschiedenen Varianten gibt; einige Luxusrestaurants bieten sogar verfeinerte Versionen an.


Vor allem konnte Heuwer eine Verbindung herstellen. Die Menschen strömten in Scharen zu ihren Produkten und ihr Laden wurde zu einem Ort der Begegnung und des Gesprächs. Ein Phänomen, das sich in einigen Läden wie der Bratpfanne in Steglitz oder dem Konnopke in Prenzlauer Berg noch immer beobachten lässt. Die Tatsache, dass die Currywurst nie exportiert wurde, ist ein Beweis für ihre tiefe Verwurzelung.

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